Fragen und Antworten

Frage  zu  der  Seite  "Seefahrt  damals...."  Ein  Handelsschiff,  mit  der  damals  üblichen  Besatzungsstärke  von  ca.  32  bis  40  Seeleuten  (einschließlich  Passagieren)...
Waren  da  immer  Passagiere  an  Bord?  Wieviele?  Wohin  sind  die  da  so  mitgefahren,  ging  das  so  ohne  weiteres?  Oder  mußten  die  viele  Anträge  stellen?  Oder  viel  Geld  zahlen ?
Wieviel  Mann  Mindestbesatzung  brauchte  man  auf  solchen  Schiffen?
Eine  Leserin  aus  Bayern

Antwort:

Zur Besatzungsstärke der Schiffe dieser Grössenordnung in der damaligen konventionellen Frachtfahrt:
Im Normalfall waren ca.32-36 Personen Besatzung an Bord.Diese setzten sich zusammen aus folgenden Funktionen:

  • 1 Kapitän, 3 Nautiker, 1 Funker(in),
  • 1 Chief, 3 Masch.-Ing.,  1 E-Ing,  evtl. 1  Kühl-Ing.
  • 1 Storekeeper, 3 Maschinenassis, 3 Motorenwärter
  • 1 Bootsmann, 1 Kabelgattsmatrose (Timming), 3 Vollmatrosen, 3 Decksleute,
  • 1 Koch(in),1 Kochsmaat(in)oder Bäcker, 
  • 1 Obersteward(ess),1Steward(ess).
  • Hinzu  kamen  in  unterschiedlicher  Anzahl nautische Assistenzoffiziere, techn-Offiziersanwärter, eventuell  ein  Funkassi, die  ein  Praktikum  neben  dem  Studium  an  Bord  absolvierten. Eventuell  ein  Politoffizier.
  • Von  den  Lehrschiffen( z.B"Georg  Büchner") kamen  noch  ca. 4- 6 Lehrlinge  aus  dem  Bereich  Deck  oder  Maschine  zum  Praktikum  hinzu. Später  dann  die  Komplex- Lehrlinge , die  den  Meister  für  Deck  und  Maschine  machten.

Das  war  dann  aber  später,  bei  der  Containerfahrt  ganz, ganz  anders...

Zu den Passagieren:
Es  waren  nicht  immer  Passagiere  an  Bord  von  DDR- Frachtschiffen.
Wenn  das  aber  der  Fall  war, ist  es  auf  alle  Fälle  für  das  Schiff  bzw. Reederei   eine  zusätzliche  Einnahmequelle  gewesen..
Die  grösste  Gruppe  an  Passagieren  stellten  wohl  die  mitreisenden  Ehefrauen  der  Seeleute  bzw.  vereinzelt  auch  Familienangehörige. Dann  kamen  im  grösserem  Umfang  DDR- Bürger  aus  der  Kultur (Fernsehfunk, Presse, Schriftsteller  usw. ), sowie  auch   Rentner  als  Einzelreisende  bzw. Ehepaare  die  eine  gesamte  Rundreise  mit  an  Bord  waren.

Mitunter  nahm  man  auch  auf  der  Rückfahrt  DDR- Bürger  wieder  mit  nach  Rostock,  die  im  Ausland  mit  ihren  Familien  tätig  waren:
Botschaftsangehörige,Auslandsmonteure/Bauleiter, Historiker,Journalisten etc.
Es  gab  auch  komplette  Rundreisen  von  Ehepaaren, Einzelpersonen  und  Familien  aus  dem  westlichen  Ausland, die  diese  Reisen  über  Reisebüros  buchten.  Unterwegs  konnte  es  passieren, daß  auf  einem  Streckenabschnitt  ein  Frachtbegleiter (Supercargo), Lotse, ein  Inspekor  der  DSR  oder  eine  ausländische  Person/Gruppe  von  A  nach  B  befördert  wurde, oder  man  nahm  einfach  ein  Besatzungsmitglied  eines  anderen  Schiffes  mit  zum  gewünschten  Ziel.
Passagiere  bedeuteten  für  manche  Bereiche  mehr  Arbeit, aber  sie  waren  in  den  meisten  Fällen  eine  wertvolle  Bereicherung  für  das  Bordleben.
Dokumentarfilmer,  wie  die  Thorndikes, ein  betagter  Siemens-Ing., der  von  der  ersten  Bildübertragung  1928  von  der  Kaiserkrönung  in  Japan  berichtete...
Ein  Ornithologe, der  mich  zum  Staunen  brachte,  als  ich  auf  der  Besatzungsliste  das  Geburtsjahr  1896  las.... der  Mann  war  fit  wie  ein  Turnschuh  und  fotografierte  und  beschrieb  alles  was fleuchte und  Federn  hatte.
Später  lernte  ich  Passagiere  kennen, die  von  Alaska  nach  Feuerland  mit  dem  Fahrrad  fahren  wollten... (und  schafften), sowie  gestrandete  Weltumsegler. Auch  die  sogenannten  "Überarbeiter"  gab  es  noch- Hand  für  Koje.
Haarig  war  es  manchmal, wenn ehemalige  DDR- Bürgerinnen, die  in  ein  arabisches  oder  afrikanisches  Land  geheiratet  hatten, zurück  wollten  und  wir  konnten  sie   nicht  mitnehmen....
 

Reisekosten betrugen damals 1480.- DM + Bordverbrauch